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Parmidas Bucketliste

33 FM 2026 Bucketliste Bild 2 1Eine Welt größer als das Krankenzimmer

Mit 17 Jahren erhält Parmida die Diagnose: Hodgkin-Lymphom, Stadium 3. Die Überlebenschancen seien gut, sagen die Ärzte. Doch nicht der Krebs macht ihr Angst – sondern die Chemo. Schon nach wenigen Tagen auf Station verschwinden Alltag, Freundschaften und jede Form von Normalität.

„Ich war so in der Behandlung gefangen, dass ich mich nie auf den nächsten Tag gefreut habe – ehrlich gesagt, ich habe jeden Morgen sogar verabscheut. Für meine Freunde ging das Leben weiter, ich fühlte mich isoliert.“

Emotionale Achterbahnfahrt

Der dritte Behandlungsmonat wird zum persönlichen Tiefpunkt. Die Ungewissheit, wann alles vorbei sein würde, zermürbt sie.

„Ich war sehr grumpy und oft wütend. Irgendwann habe ich mich gefragt: Warum kämpfe ich eigentlich so hart? Nur für meine Eltern? Ich brauchte etwas, an dem ich mich festhalten konnte.“

Vom Wunschzettel zur Bucketliste

Die Inspiration kommt unerwartet: Claudia Mutzenbach aus dem psychosozialen Team bringt ihr den Zettel des Vereins Wünsch dir was und ermuntert sie, daran teilzunehmen.

„Mir ist NICHTS eingefallen. Ich habe mich gefragt: Wie kann man keinen einzigen Wunsch haben?“

Aus dieser Leere entsteht eine Idee – eine Bucketliste.

„Auf die Liste sollten Sachen, die ich noch nie gemacht hatte oder gerne wieder machen wollte. Ich habe mit kleinen Dingen angefangen. Der erste Punkt: Mit meiner besten Freundin shoppen gehen.“

Die Welt wird wieder größer33 FM 2026 Bucketliste Bild 3

Mit jeder neuen Idee wächst ihr Radius: Karaoke singen, Abitur und Führerschein machen, Karneval feiern, irgendwann sogar Auslandsreisen.

„Die Bucketliste hat mir das Gefühl zurückgegeben, dass die Welt größer ist als nur das Krankenzimmer. Das war für mich das Schönste.“

Zurück ins Leben – aber wie?

Die erlösende Nachricht kommt nach sechs Monaten: Die Chemo wirkt so gut, dass auf eine Bestrahlung verzichtet werden kann.

„Nach einer Zeit, die sich unendlich angefühlt hat, kam plötzlich ein Cut. Ich war glücklich – aber auch komplett perplex.“

An Silvester 2022 läutet Parmida die symbolische Glocke auf der Station – und steht am nächsten Tag ratlos zuhause. Vor ihr türmt sich die große Frage: „Was mache ich jetzt mit meinem Leben?“

Sie weiß: An das Leben vor dem Krebs kann sie nicht einfach wieder anknüpfen. In der Gruppentherapie hört sie einen Satz, der hängenbleibt:

„Es gibt kein Leben nach dem Krebs – nur ein Leben mit dem Krebs.“

Die Liste als Kompass

In den ersten Wochen stürzt sich Parmida deshalb in ihre Bucketliste, schreibt bald an mehreren gleichzeitig: für den Alltag, für ihre Fitness, für Träume.

„Sie haben mir Struktur gegeben und mir geholfen mich zu fokussieren. Irgendwann gab es aber nur noch eine einzige große Liste.“

Erfüllte Wünsche – von Köln bis Korea

Im Sommer 2025 ist die Liste abgearbeitet. Es war nicht immer einfach, alles zeitlich und finanziell zu stemmen – vor allem neben der Ausbildung. Aber sie hat es geschafft.

„Zweieinhalb Jahre habe ich mich an ihr festgehalten und alles getan, um sie fertig zu kriegen. Ich hatte das Gefühl, dass die Parmida aus der Chemo es verdient hatte, diese Dinge wirklich zu erleben.“

Aus: Die Fledermaus, Ausgabe 33/Frühjar 2026

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