KG Onko: Eine Freundschaft, die bleibt
KG Onko: Eine Freundschaft, die bleibt
Vor mehr als 20 Jahren lernten sich elf Eltern auf der Kinderonkologie der Uniklinik Köln kennen. Was als Schicksalsgemeinschaft begann, entwickelte sich bei den meisten von ihnen zu einer Freundschaft, die bis heute besteht. Irgendwann bekam die Runde sogar einen Namen: KG Onko – eine kleine kölsche „Karnevalsgesellschaft“ der besonderen Art.
Während der Therapie und weit darüber hinaus gaben sich die Familien gegenseitig Halt. Sie hofften, bangten, lachten und trauerten gemeinsam. Denn nicht alle Geschichten nahmen ein gutes Ende: Zwei Kinder aus ihrem Freundeskreis starben an den Folgen ihrer Krebserkrankung. Dennoch ist die Verbindung geblieben.

Wir haben die Eltern gebeten, einige Fragen aus ihrer eigenen persönlichen Sicht zu beantworten:
Wann würden Sie sagen hat sich zwischen Ihnen allen eine Freundschaft entwickelt?
Daike: Eigentlich von Anfang an, diese besondere Situation beschleunigt alles.
Monika: Angefangen hat es auf der Station. Wir waren uns sehr schnell sehr nah. Es hat zwischen uns einfach gepasst. Ich persönlich bekam die tollste Unterstützung aus diesem Kreis. Wir haben zusammen gelacht, geweint, gebangt und gehofft.
Kalle: Die Nächte, die wir in der Stationsküche zusammen auf dem Boden sitzend verbracht haben, haben uns miteinander verbunden. Oder die Nächte im Spielzimmer, weil unsere Söhne meinten, sie wollen ihre Ruhe haben. Wir sind dann gemeinsam mit unseren Klappbetten „davon gerollt“. Das sind besondere Momente, die uns zusammengeschweißt und Halt gegeben haben. Ich würde sagen, dass aus Leidesgenossen echte Freunde für das Leben geworden sind.
Marion: Im Laufe der Therapie haben wir auf dem blauen Sofa auf der Station gesessen und viel geredet. Das gemeinsame Schicksal hat uns verbunden und es hat einfach gepasst.
Wie lange treffen Sie sich schon in diesem Kreis?
Daike: In dieser Gruppe treffen wir uns seit 2004. Nach einer viel zu langen Pause jetzt endlich wieder! Wir feiern fast schon Silberhochzeit 🙂
Monika: In den ersten Jahren trafen wir uns regelmäßig, dann wurde es etwas stiller, weil wir alle eigene Wege gingen. Seit geraumer Zeit aber wieder regelmäßig, was mir sehr guttut.
Kalle: Nach dem Ende der Therapie und den regelmäßigen Kontrollen haben wir uns noch unregelmäßig getroffen. Wir haben wir uns noch eine Zeit beim DAT KÖLSCHE HÄTZ eingesetzt. Dann kam für uns der Moment, wo wir persönlich einen gewissen Abstand brauchten. Aber mit Einzelnen hatten wir immer wieder Kontakt.
Marion: Wir haben uns nach der Therapie monatlich getroffen und die KG Onko gegründet –– mit viel Spaß und ehrlichem Austausch. Nach einer Auszeit von etwa 15 Jahren haben wir uns zum „KG Onko Revival“ wieder getroffen. Es ist, als wäre es gestern gewesen!
Was macht Ihre Freundschaft besonders?
Daike: Wir haben das Schlimmste zusammen erlebt und trotzdem gelacht! Und sie kennen meine verstorbene Tochter Venna. Da ist ein nicht zu erklärendes Band, das einen vertraut sein lässt.
Horst: Wir hatten – und haben noch immer – alle dieselben Sorgen, Probleme und Ängste.
Kalle: Das besondere ist dieser schmerzvolle Weg, den wir gemeinsam begangen haben. Für mich sind es einfach Herzensmenschen geworden. Jeder ist auf seine eigene Art so besonders!
Marion: Die enge Verbundenheit, der offene Austausch und niemandem etwas erklären zu müssen.
Monika: Wir haben eine gemeinsame, schwierige Vergangenheit, die uns zusammengeschweißt hat. Es gibt einfach keine Berührungsängste. Wir können über Blödsinn lachen und tiefe Gespräche führen über das, was uns wirklich bewegt.
Was verstehen die anderen, was andere Freunde außerhalb Ihres Kreises, womöglich nicht gut nachvollziehen können?
Marion: Wie man sich in solch einer Situation fühlt. Und dass man auch mal nicht gut drauf sein darf und trotzdem ein liebenswerter Mensch ist. Wir können uns auch gegenseitig auf den Arm nehmen, ohne dass sich jemand angegriffen und beleidigt fühlt. Wir nehmen uns so, wie wir sind.
Daike: Die Gefühle, sein Kind leiden zu sehen und es nicht retten zu können, sind nicht an Außenstehende vermittelbar. Wir haben uns so kennengelernt.
Horst: Außenstehende können sich in so eine Situation nicht hineinversetzen.
Kalle: Die gemeinsame Zeit ist mit nichts anderem zu vergleichen. Auch wenn ich keiner Familie so etwas wünschen würde, möchte ich auf keinen dieser Menschen verzichten wollen.
Monika: Wir brauchen oft nicht viele Worte, um zu sehen, was den anderen bewegt. Gerade auch, wenn es um zwei unserer Kinder, die verstorben sind, geht.
Welche Erfahrungen haben Sie mit „alten“ Freundschaften während der Zeit der Therapie gemacht?
Daike: Viele gute Erfahrungen, alle waren berührt, wollten helfen, was nicht wirklich geht. Es gab aber auch die, die nicht damit umgehen konnten. Oft war es schwierig die Ratschläge und Vorstellungen anderer zu ertragen. Am besten klappt es mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen haben und Verlust und Trauer kennen.
Marion: Fast alle Freunde sind „abgewandert“, weil sie das nicht ertragen konnten und Angst vor der Endkonsequenz hatten. Die Freundschaften, die aber geblieben sind, sind umso wertvoller und intensiver.
Horst: Viele alte Freunde sind verloren gegangen, weil sie mit der Situation überfordert waren, nach der Devise: Lieber nichts sagen als etwas Falsches sagen. Von manchen war man auch positiv überrascht, die einem mit Rat und Tat zur Seite standen.
Kalle: In dieser Zeit sind viele Freundschaften kaputtgegangen, weil viele Menschen mit so etwas nicht umgehen können. Es gab aber dafür diese kleine Glocke, unter die man schlüpfen konnte, wenn wir gemeinsam wieder auf Station waren.
Monika: Ein großer Teil der Freundschaften vor der Therapie existiert nicht mehr. Die Zeit hat mich verändert, so dass ich oberflächliche Freundschaften nicht mehr verfolgt habe. Und einige „alte“ Freunde konnten damit nicht umgehen.
Ist Krebs und das Erlebte bei Ihnen ein Thema?
Monika: Ja, ist es. Immer mal wieder. Und ich empfinde das als gut. Es ist ein Teil von mir. Und es freut mich immer, wenn sich jemand an meinen Sohn erinnert. Damit bleibt er mitten unter uns.
Kalle: Ich glaube, wer einmal so eine Zeit mit seinem Kind mitgemacht hat, wird es sein Leben lang niemals vergessen. Vor allem auch dann, wenn – wie bei uns – leider nicht alle Freunde ein glückliches Ende der Therapie erlebt haben.
Daike: Meine Venna ist immer bei mir, jeden Tag. Krebs ist durch Erkrankungen in meinem Umfeld oft ein Thema, allerdings erzähle ich nicht oft von Vennas Erkrankung und unserer gemeinsamen Zeit. Im vertrauten Umfeld natürlich schon.
Marion: Da unser Kind noch klein war, tauchen heute auch Fragen auf, die wir miteinander teilen und diskutieren, weil manche Folgeerkrankungen erst Jahre später im Alltag sichtbar werden.
Horst: Es ist Thema und wird es auch immer bleiben.



Fantastisches Wetter, gutes Essen … und eine Zirkusmanege! Das war das Erfolgsrezept für unser diesjähriges Sommerfest vor dem Elternhaus unter dem Motto „Manege frei!“.
Einfach mal auf und davon …




Bereits fünfmal hat die Sharky Schwimmschule ehemals an Krebs erkrankte Kinder und ihre Geschwister zu einwöchigen Schwimmkursen in den Oster-, Sommer- und Herbstferien eingeladen. Begleitet werden die Wochen von den Sporttherapeut:innen der Kinderkrebsstation, die vom Förderverein finanziert werden. Dadurch entsteht ein geschützter Raum, in dem die Kinder Vertrauen fassen, sich ausprobieren und neue Fähigkeiten entwickeln können.




Heute begehen wir den Weltgedenktag für verstorbene Kinder.